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| Autor/Autorin: Matthias |
| Titel: Seifenblasen |
Prolog:
zersprungen
in mir
ist Etwas
zersprungen
in mir
entzwei gedacht
in meinen Händen
find' ich nur
Gedankensplitter
Allein sitze ich auf der Treppe unseres Hauses. Die Kälte kriecht aus den Stufen
in meinen Körper.
Mein leerer Blick ist in den grauen Himmel des aufziehenden Winters gerichtet.
In meiner Hand ein Fläschchen mit Seifenblasenlösung. Habe sie von meiner
Tochter ausgeliehen. Gedankenverloren gebe ich mich dem alten Kinderspiel hin.
- Oh Gott, hoffentlich sieht mich keiner! -
- Nein, es ist mir vollkommen egal. Sollen die Leute doch denken, was sie
wollen. –
Sieben stürmische Jahre, voll mit Liebe und Vertrautheit sind zu Ende.
Gestern hatte sie mich verlassen. Ich bin traurig.
„Ich liebe dich nicht mehr“, warf sie mir an den Kopf und ging mit dem Koffer in
der Hand aus der Tür. Meine Tochter saß schon im Auto. Warum durfte ich mich
nicht von ihr verabschieden? „Die gehört mir“, sagte sie, „du wirst sie nicht
wieder sehen.“
- Wer ist ihr neuer Liebhaber? Ich kenne ihn nicht. –
Vor einem Jahr hieß es, „ich gehe nur mit meinen Freundinnen zum Frauenabend.“
Jeden Donnerstag. Schminken, Tupper, Tratschen. Meist schlief ich schon, wenn
sie nach Hause kam. Oft erzählte sie mir am Frühstückstisch die lustigsten
Geschichten von ihren Treffen.
War alles nur Fassade? Jedes Mal hatte ich ihr geglaubt. Es machte mich auch
nicht stutzig, dass sie an diesen Tagen nicht mit ihr zusammen sein wollte.
Jetzt weiß ich warum.
- Was war es, was sie bei mir vermisste? War er im Bett ihr Held? -
Selbstzweifel quälen mich.
So viele schöne Jahre hatten wir Seite an Seite verbracht.
Kein Wort der Unzufriedenheit. Grenzenloses Vertrauen.
Sie ist weg. Große Leere ergreift Besitz von mir.
Kalt, hart und brutal hatte es mich erwischt. Ich, der Typ, der an die ewige
Liebe geglaubt hatte. Ein kleiner, salziger Tropfen sucht sich den Weg über
meine kalte Wange, hinterlässt eine feuchte Spur. Der Wind kann sie nicht
trocknen.
Jetzt sitze ich hier auf der kalten Treppe und puste gedankenverloren jede
einzelne meiner Erinnerungen an die Vergangenheit in eine buntschillernde
Seifenblase.
Langsam steigt wieder eine in den Himmel, deutlich kann ich darin ihr zartes
Gesicht sehen, ihre braunen Augen erkennen. Sie lächeln mich an, der Wind spielt
mit ihren Haaren.
Ich möchte sie festhalten, kann ihr Lächeln nicht vergessen.
Jetzt fliegt es davon in einer tanzenden Seifenblase. Ich kann es kaum noch
erkennen.
Wen wird sie wohl jetzt anlächeln? Ich weiß es nicht.
Wieder steigt eine besonders Schöne in den Himmel. Ich sehe ihren zarten Körper,
wünsche mir, dass sie mich in die Arme nimmt. Gern möchte ich ihre weichen
Brüste an meiner Haut spüren, ihre Knospen zärtlich zwischen meinen Fingern
reiben. Unvergesslich, ihre spitzen, kleinen Schreie, wenn ich an ihren Knospen
knabberte und sie es vor Lust nicht mehr ausgehalten hatte.
Ich strecke meine Hand aus.
Vergebens, schon treibt sie mit dem Wind davon.
Wird ihr der Neue auch so viel Zärtlichkeit schenken? Oder wird er ihr einfach
nur den Verstand aus dem Kopf bumsen, bis ihr die Sinne schwinden.
- Ich schäme mich für meine bösen Gedanken. -
Wir hatten es oft bis zur Erschöpfung getrieben, manchmal bis in den frühen
Morgen hinein. Ihre Orgasmen zählte ich nie. Arm in Arm schliefen wir ein.
Kein Wort darüber, dass sie sich unbefriedigt gefühlt hatte.
Waren ihre Höhepunkte nicht echt?
Nein, das hätte ich gemerkt.
Bei ihren gewaltigen Orgasmen fing sie immer an zu weinen, wie ein kleines Kind.
Das kann man nicht vorspielen.
Manchmal, wenn der Zyklus ihr große Bauchschmerzen bereitete, kuschelte sie sich
abends auf der Couch an mich, spielte mit meinem Schwanz und bereitete mir so
höchste Lust.
Wenn sie mir den Saft aus den Lenden saugte, verlor ich fast den Verstand.
Ein Zeichen ihrer großen Liebe?
Wohlig stöhnte sie auf, wenn ich ihren schmerzenden Bauch streichelte oder ihren
Rücken sanft massierte. Das war meine Art, ihr in dieser Zeit meine Liebe zu
zeigen.
Aus und vorbei.
Ich tauche den Ring in die schillernde Flüssigkeit, hole meine Erinnerung an ihr
herzliches Lachen heraus. Ein Hauch und schon tanzt es in einer bunten Blase vor
meinem Gesicht. Ich kann es hören.
- Psst, nicht so laut, die Nachbarn könnten aufmerksam werden. –
Was bin ich doch für ein Kindskopf, sitze ich hier und puste meine Gedanken in
Seifenblasen. Aus der Ferne klingt es noch glockenhell, bis es im trüben, grauen
Himmel verschwindet.
Immer wieder tauche ich in das Fläschchen, hole eine Erinnerung nach der anderen
heraus. Ihre Stimme, einstmals hatte sie mich bezaubert. Jetzt klingt sie kalt,
ohne jegliches Gefühl. Nein, ich will sie nicht mehr hören. Ich halte mir die
Ohren zu, aber es nutzt nichts.
Ihre harten Worte „ich liebe dich nicht mehr“, dringen wie Messerstiche in mein
Herz.
- Hatte sie nicht höhnisch dabei gelacht? -
Bestimmt bilde ich mir das nur ein.
Noch immer höre ich die Wortfetzen, die vom Wind an mein Ohr getragen werden,
sagen mir, dass es zu Ende ist. Nie mehr werde ich ihre Stimme hören, die meine
Sinne mit süßen Worten verzaubern konnte. Aus der Ferne klingt noch ein „und
komm bloß nicht auf die Idee ..."
Türen schlagen, das Auto bringt sie für immer fort.
Das Heulen des Windes, der jetzt aufgefrischt hat, nimmt alle Geräusche mit sich
und treibt mir die ersten Schneeflocken ins Gesicht.
Nein, ich werde nicht auf die Idee kommen, ihr nachzulaufen.
Soll sie doch glücklich werden mit ihrem Neuen.
Zu sehr hatte sie mich enttäuscht.
Wieder sucht sich eine Träne den Weg über meine Wange, hinterlässt eine feuchte
Spur. Das Fläschchen ist leer.
Ich sitze auf der Treppe und starre in das graue Nichts.
Meine Gedanken sind leer.
Sie ist fort.
Es beginnt zu schneien.
Stille.
Der Himmel breitet einen weißen Mantel über die Erde.
Schneeflocken tänzeln um mein Gesicht, als wollten sie mich aufmuntern.
Ein paar Sonnenstrahlen brechen durch die dunklen Wolken, streifen die
unzähligen winzigen Flöckchen in der Luft.
Hoffnung? Nein.
Ich schaue nicht mehr hin.
Ein eisiger Wind weht mir ins Gesicht, sticht wie tausend Nadeln
und der graue Himmel bringt die Wahrheit zurück.
Mir ist kalt. Meine Hoffnung ist erloschen.
Die Tabletten hinterlassen einen bitteren Geschmack auf meiner Zunge,
aber der Weinbrand wird dieses Gefühl bald betäuben.
Sehr bald.
Epilog: Diese Gedanken sind fiktiv, nur der Kindskopf und die Seifenblasen sind
real.
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