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| Autor/Autorin: Gregor |
| Titel: Der Göttliche, der Dankbare, der Kleine und ich |
Der Göttliche war klasse. Ich nenne ihn so, weil er so geil tanzen kann. Das
ist ja nicht oft so, daß Kerle in der Disco wirklich so richtig abgehen können.
Eigentlich schade: die meisten stehen eh nur mit einem Bier in der Hand an der
Theke und warten darauf, daß die Sonne aufgeht. Tja, tut mir ja leid, aber mich
werdet Ihr damit nicht ansprechen. Da war der Göttliche so ganz anders. Ja, ich
weiß ja auch, daß ich alles andere, als seine einzige bin oder war, aber darum
geht es mir doch nicht.
Ich studiere. Genauer gesagt, ich studiere Männer. Verrückt, findest Du? Nein,
ist es nicht wirklich. Das macht total Spaß und ich sammle meine Erfahrungen.
Vielleicht treffe ich ja mal auf einen Mann, der nicht auf meine Masche
hereinfällt. Der wäre dann mal wirklich interessant für mich. Aber noch hat es
bei jedem funktioniert. Da sind sie alle gleich.
Zwei Methoden habe ich bislang in meinem Repertoire und ich muß mir für jeden
Typen halt die passende aussuchen. Aber wahrscheinlich ist es auch egal, welche
Masche ich nehme, die Typen wollen immer. Am liebsten nehme ich mein Negligé.
Wenn der Typ erst mal bei mir in der Wohnung ist und wir uns eine Weile
unterhalten haben, gehe ich ins Bad und ziehe mir mein Negligé an. Alles andere
ergibt sich dann von selbst.
Aber ich wollte ja vom Göttlichen erzählen. Ich hatte mir seine Nummer geben
lassen und hab ihm einfach eine sms geschickt. Ich hätte gehört, er sei
aufgeschlossen und neugierig. Das würde ich gerne ausprobieren. Natürlich hat er
angebissen. Nicht mal 2 min später war eine Antwort von ihm da. Wir haben uns
noch am selben Abend getroffen. Er läßt eben nichts anbrennen. Und einen
richtigen Weiberheld wie ihn, hatte ich vorher noch nie.
Also eine neue Kategorie in meiner Testreihe. Ich wollte doch mal sehen, ob er
auch so toll ist, wie er tut. Na ja, es gab da schon bessere. Immerhin war er
nicht so ungeschickt und hatte etwas Erfahrung. Was mir so gar nicht gefiel,
war, daß er dann doch zu schnell zur Sache kommen wollte. Also mußte ich seine
Hände erst mal wieder von meinem Unterleib nehmen und ihn etwas bremsen.
Schließlich habe ich ja auch einen Oberkörper. Aber er war dann ganz brav und
pflegeleicht, ließ sich eigentlich gut lenken.
Nachdem ich ihm den Weg etwas gezeigt hatte, fing er sogar richtig an zu
schmusen. Eigentlich muß ich sogar zugeben, daß er gut küssen konnte. Komisch
irgendwie: Küssen ist undefinierbar schwierig. Mit manchen Männern macht es
einfach keinen Spaß. Der Göttliche war beim Küssen sanft und zärtlich. Ja, er
küßte dann sogar meinen Hals, meine Brüste und meinen Bauch. Ich mag es, wenn
Männer sich auf mich einstellen. Und ich mag es, gut geküßt zu werden.
Als es dann zur Sache ging, war er zwar sehr direkt, aber ganz okay. Sein Ding
war auch weder kleiner noch größer als alle anderen (das darf man ihm natürlich
nicht sagen), aber es hat mich doch etwas erschrocken, als er fertig war, eine
Zigarette geraucht hat und dann gleich wieder wollte.
Wie gesagt, das Geilste war eigentlich, mit ihm in die Disco zu gehen. Alle
Mädels gucken nach ihm, aber er ist mit mir da. Mit mir! Ist doch geil, oder?
Der tanzt aber auch so was von klasse. Nicht nur so ein bißchen rumschuggeln,
nein, der tanzt richtig. Der könnte damit glatt in einem Musikvideo auftreten.
Und mit dem zusammen auf der Tanzfläche, da geht wirklich die Post ab. Da konnte
ich ganz in der Musik aufgehen. Ich hab schon gedacht, er hätte einen Körper aus
Gummi. Und wenn es dann morgens auf fünf oder sechs Uhr zuging und er mich
nachhause brachte, haben wir es immer noch so ein oder zweimal gemacht.
Wir haben uns bestimmt so an die zehn Mal getroffen, was ja viel ist für eine
Affäre. Und selbst danach sind wir noch manchmal einfach so zusammen in die
Disco gegangen.
Über ihn bin ich auch an den Dankbaren gekommen. Ich gebe übrigens allen meinen
Studienobjekten Namen. Und die sagen doch mehr aus, als nur irgendwelche
Vornamen. Und schließlich muß ja alles seine Ordnung haben.
Der Dankbare hatte schon 4 Jahre nichts Richtiges mehr mit einer Frau gehabt.
Hätte ich auch nicht gedacht, daß es so was gibt. Ist ja fast wie im Kloster.
Aber das war eine tolle Erfahrung. Er war höflich, charmant, furchtbar unsicher,
was ich in dem konkreten Falle auch ganz süß fand und eben für alles total
dankbar. Ich glaube, ich habe noch nie solange mit einem Menschen geschmust wie
mit ihm. Wir sind einmal ein ganzes Wochenende nicht aus dem Bett gekommen.
Als ich ihm meine obligatorische sms geschickt hatte, reagierte er sehr
schüchtern und zurückhaltend. Hinter dieser Vorsicht aber schlummerte eine um so
größere Portion Neugierde und Interesse. Auch wenn ich klare Verhältnisse
geschaffen habe wie immer – jedes meiner Studienobjekte weiß, daß es nichts mit
Liebe zu tun hat sondern ich nur neugierig auf unterschiedliche Männer bin –
hatte ich bei ihm den Eindruck, daß sein Interesse durchaus auch mir als
Menschen galt.
Als ich beim ersten Date wieder mal mit meinem Nachtkleid aus dem Bad kam, saß
er so ehrfürchtig da, als würde er still und leise einem Konzert lauschen oder
ein besonderes Kunstwerk betrachten. Er war total süß. Er hat sich zuerst kaum
getraut, mich zu berühren – so als wäre ich aus dünnem, zerbrechlichem Glas. Ich
selbst mußte beginnen, ihn zu küssen und seine Hand an meine Taille legen. Aber
auch da traute er sich kaum, mehr Terrain zu erobern. Dann habe ich seine Hand
auf meinen Busen gelegt und er fing ganz zart an, ihn zu massieren. Ich hab ihn
dann aufgefordert, mich auszuziehen. Ganz vorsichtig hat er dann das Wenige an
Stoff über meinen Kopf gestreift und mich über und über mit Küssen bedeckt.
Als ich ihn dann auch von seinen Sachen befreit habe, war er allerdings kaum
noch zu halten. In einer wundersamen Kombination von Zärtlichkeit und Wildheit
kam er über mich und erfüllte mich. Das nenne ich männliche Stärke. Nach den
Jahren der Enthaltsamkeit hatte er wohl kräftigen Nachholbedarf. Irgendwie hat
mich seine ungezähmte Kraft richtig angerührt. Das war genau das, was ich mir
unter Leidenschaft vorstelle.
Der Kleine war ganz anders. Mit „klein“ meine ich nicht die Körpergröße. Auch
nicht das gewisse Körperteil. Da gibt es sowieso eigentlich nur Einheitsgröße.
Es mag sein, daß es da ein paar wenige Ausreißer nach oben oder nach unten gibt,
aber die sind dann ganz bestimmt auch ziemlich unpraktisch. Es kommt ja eher
drauf an, daß der Mann damit umgehen kann und generell beim Sex nicht zu
kompliziert ist. Kannst Du Dir vorstellen, wie schlimm die komplizierten sind?
Ein „Kleiner“ ist für mich jemand, der noch ganz jungfräulich ist und dem man
alles erst genau sagen muß. Manchmal ist das vielleicht etwas lästig. Aber
irgendwie ist das auch ganz süß, wenn er dann so unerfahren und unsicher ist,
immer in der Angst, etwas falsch zu machen. Bei dem Kleinen mußte ich jeden
Handgriff erst vorgeben, aber das kann auch seine Vorteile haben, weil man es
sich dann genau so einrichten kann, wie man es auch wirklich genießen kann. Ja,
das mit dem Kleinen hat schon gewisse Vorteile. Auch wird er nie zu aufdringlich
und man kann sehr leicht deutliche Grenzen setzen. Er ist formbar wie Knetmasse.
Ich muß zugeben, daß ich dann auch genieße, daß ich die Lehrerin bin und ihm mit
meiner Erfahrung helfen kann. Kannst Du Dir vorstellen, wie schön das ist, wenn
man einem Typen, der noch nichts weiß, das alles zeigen kann? Das ist fast wie
Weihnachten beim Auspacken der Geschenke. Der staunt über jede Kleinigkeit.
Richtig süß.
Ich denke, ich bin eine gute Lehrerin. Ich kann sehr genau sagen, was mir beim
Sex gefällt und was nicht. Ich denke mal, der Mann lernt dabei einfach, sich auf
die Frau einzustellen und letztlich werden die anderen Frauen auch nicht so sehr
anders reagieren. Die profitieren dann von meiner Arbeit.
Eben hab ich wieder eine sms bekommen. Aber der Typ jetzt ist was anderes.
Eigentlich viel zu sympathisch für eine Affäre. Ich muß ja nicht jeden in eine
Kategorie einordnen. Na, ich bin gespannt, was sich heute abend noch so tut.
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